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Katazen: un mondo
ineffabile...


Die weiße Rose

... Hans ritt langsam zu seiner Kompanie zurück.
Eine grenzenlose Wehmut erfüllte ihn. Erinnerungen stiegen in ihm auf.
Sie hatten während des Transports an einer polnischen Station einige
Minuten Aufenthalt gehabt.
Am Bahndamm sah er Frauen und junge Mädchen gebückt,
die mit Eisenhacken in den Händen schwere Männerarbeit taten.
Sie trugen den gelben Zionsstern an der Brust.
Hans schwang sich aus dem Fenster seines Wagens
und ging auf die Frauen zu.
Die erste in der Reihe war ein junges, abgezehrtes Mädchen,
mit schmalen Händen und einem intelligenten, schönen Gesicht,
in dem eine große Trauer stand.
Hatte er denn nichts bei sich, das er ihr schenken konnte?
Da fiel ihm seine 'Eiserne Ration' ein, ein Gemisch von Schokolade,
Rosinen und nüssen, und er steckte es ihr zu.
Das Mädchen warf es ihm mit einer gehetzten Gebärde vor die Füße.
Er hob es auf, lächelte ihr ins Gesicht und sagte:
"Ich hätte Ihnen so gerne eine kleine Freude gemacht".
Dann bückte er sich, pflückte eine Margerite und legte sie mit dem Päckchen
zu ihren Füßen nieder.
Aber schon rollte der Zug an, und mit ein paar langen Sätzen sprang Hans auf.
Vom Fenster aus sah er, daß das Mädchen dastand und dem Zug nachblickte,
die weiße Margerite im Haar...

[...]

... Hans spürte, daß das Schöne und das ästhetische Genießen des Daseins
allein, auch das stille Hineinwachsen in das Leben ihm nicht mehr genügten,
daß es in der Gefährdung dieser Zeit kaum mehr Halt geben konnte.
Daß eine letzte Brennende Leere blieb, und daß die beunruhigenden Fragen
keine Antwort fanden.
Nicht bei Rilke und nicht bei Stefan George, nicht bei Nietzsche
und auch nicht bei Hölderlin.
Aber Hans hatte das sichere Gefühl, daß sein redliches Suchen
ihn richtig führen werde.
Er begegnete schließlich auf merkwürdigen Umwegen,
den antiken Philosophen, er lernte Plato und Sokrates kennen.
Er stieß auf die frühen christlichen Denker, er beschäftigte sich
mit Augustinus. Er entdeckte Pascal.
Die Heilige Schrift becam eine neue, überraschende Bedeutung;
Aktualität brach durch die alten, scheinbar verdorrten Worte
und gab ihnen das Gewicht des Überzeugenden...

                                                    Inge Scholl - Die weiße Rose -




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